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Pressemeldung 29.05.2008 in der Hohenloher Zeitung

Fit in Sprache, Musik und Technik
Öhringen Richard-von-Weizsäcker-Schule wird Kompetenzzentrum für Elementarpädagogik
Von Matthias Stolla

Kindergärten von heute brauchen etwas, das Kindergärten früher gar nicht kannten: ein ganzheitliches Bildungskonzept. Das nötige Handwerkszeug dazu bietet künftig die Richard-von-Weizsäcker-Schule.
„Wir wollen unsere Kompetenzen nicht nur der Schule zugute kommen lassen, sondern auch der Region“, sagt Schulleiter Helmut Albrecht bei der Vorstellung des Konzepts im Sozial-, Kultur- und Umweltausschuss des Kreistags in Künzelsau und lässt dabei keinen Mangel an Selbstbewusstsein erkennen. Warum auch? Bereits 2001 hatte die Schule als erste im Land ein Motorikzentrum eingerichtet. Und das machte Schule. „Das Kultusministerium hat unsere Konzeption übernommen“, freut sich Albrecht, „inzwischen gibt es zwölf solche Zentren in Baden-Württemberg.“ Jetzt übernimmt die vor 15 Jahren der Berufsschule angegliederte Fachschule für Sozialpädagogik erneut eine Vorreiterrolle. Ergänzt um weitere Themenbereiche wird sie zum Kompetenzzentrum für Elementarpädagogik und damit, wie Albrecht kurz zusammenfasst, „für alles unterhalb der Grundschule“.

Zusatzqualifikation Erzieherinnen, welche die Fachschule für Sozialpädagogik hinter sich haben, können sich abends und an Samstagen weiterbilden. Angeboten werden fünf Zusatzqualifikationen (siehe Stichwort). Ebenfalls zum Angebot gehört das so genannte Mint-Zentrum. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik stehen dabei im Vordergrund. Ähnlich wie die Innovationsregion Kocher & Jagst will die Schule dazu beitragen, Kinder verstärkt für diese Themen zu gewinnen. Für Albrecht steht allerdings fest: „Wir müssen dafür zuerst die Erzieherinnen begeistern.“ Zum Beispiel im Mint-Zentrum.
Zwei Lehrer der Schule haben sich im Bereich Qualitätsentwicklung im Kindergarten qualifizieren lassen und stehen Erzieherinnen wie Trägern zur Verfügung. Einen weiteren Bereich bildet die Implementierung, also Einbindung, des Orientierungsplans in Kindergärten. Zu den Kooperationspartnern des Kompetenzzentrums gehören neben der Innovationsregion Kocher & Jagst und dem Zentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm auch der Schwäbische Turnerbund, mit deren Hilfe Zertifikate für das Singen und Musizieren mit Kindern sowie Übungsleiterlizenzen für Eltern-Kind/Vorschulturnen erworben werden können.

Überfällig Bei den Kreisräten im Ausschuss stieß das Vorhaben auf ein durchweg positives Echo. Wolfgang Schneider „Ganz hervorragende Sache.“ Fritz Rehm: „Längst überfällig.“ Karl Wunderlich: „Wichtig, besonders für die Betreuung der unter Dreijährigen.“ Gerhard Feiler: „Hochachtung für das, was in wenigen Jahren an der Fachschule entstanden ist.“ Der Kreisrat wollte zudem wissen, ob denn die Räume im derzeit entstehenden Neubau dafür ausreichten. Die Antwort darauf blieben Schulleiter und Verwaltung allerdings schuldig.

Früh genug Der Kindergarten ist auch nicht mehr das, was er mal war. Er hat sich von der Betreuungs- zur Bildungsinstitution gewandelt. Längst ist klar: Zu viele Kinder kämpfen in der Grundschule mit so genannten Erziehungsdefiziten: sprachliche, motorische und soziale Mängel machen ihnen und ihren Lehrern das Leben schwer.
Dass sich die Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen zu einem Zentrum für Elementarpädagogik entwickelt, ist ein Standortvorteil für die Region, die nur davon profitieren kann, wenn ihre Erzieherinnen kompetent geschult werden.
Klar ist aber auch: Die Anstrengung fruchtet nur, wenn genügend Erzieherinnen das Angebot wahrnehmen. Weiterbildung parallel zum Beruf ist kein Zuckerschlecken. Sie sollte mit mehr als Lob und Anerkennung honoriert werden. Zumal sich die Kindergärten weiterentwickeln werden.
Sie als kleine Schulen zu bezeichnen, wäre allerdings überzogen und zudem der falsche Weg. Der Schulalltag beginnt mir sechs oder gar fünf Jahren schon früh genug.

• Stichwort •
Fünf Qualifizierungen Erzieherinnen können sich im Kompetenzzentrum berufsbegleitend weiterbilden. Zwei Jahre lang besuchen sie einmal wöchentlich und jeden dritten Samstag die Schule und erhalten danach ein staatliches Abschlusszeugnis. Angeboten werden folgende Zusatzqualifikationen:
Bildungsförderung mit Mathematik, Naturwissenschaft und Technik sowie sprachlicher Bildung
Sprachförderung mit Grundlagen der Sprachentwicklung
Kinder unter drei Jahren mit Bindung und Eingewöhnung, Entwicklung des Kleinkindes, pädagogische Gestaltung des Alltags
Elementare Musikerziehung mit Rhythmik und Singen
Sport-, Spiel- und Rhythmikerziehung mit sportmedizinischen Grundlagen sowie Sicherheit und Recht

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