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Pressemeldung 19.11.2007 in der Hohenloher Zeitung

Frühe Bildung zahlt sich aus
Neuenstein Zwei beispielhafte Konzepte stellen Wissensvermittlung auf ein festes Fundament
Von Ralf Reichert

Margret Ruep ist begeistert; „Das ist ein Meilenstein für diese Region.“ Was die Schulpräsidentin am Samstag in Neuenstein eröffnet hat, könnte aber auch für ganz Baden-Württemberg Modellcharakter haben: ein „Kompetenzzentrum für Elementarpädagogik“. Was so viel heißt wie: Viele Kräfte arbeiten Hand in Hand, um die frühkindliche Bildung auf ein festes Fundament zu stellen. Um Jungs und Mädchen schon im Kindergarten mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik vertraut zu machen. Und um sie parallel dazu mit Bewegung, Sprache und Musik in Berührung zu bringen. Ein ganzheitliches Bildungskonzept also, das von hiesigen Unternehmen und der Richard-von-Weizsäcker Schule getragen, vom Hohenlohekreis unterstützt und vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm begleitet wird.

Erzieherinnen berufsbegleitend zu qualifizieren, um Kinder altersgerecht zu bilden: Dieses Ziel wird an der Fachschule für Sozialpädagogik in Öhringen bereits seit vielen Jahren verfolgt. Nun wurden die Ergebnisse erstmals in einem größeren Rahmen präsentiert. Das Kompetenzzentrum bildet eine Art Dachorganisation. Es wurde am Samstag offiziell aus der Taufe gehoben. Dazu trafen sich rund 600 Teilnehmer beim 3. Hohenloher Bildungsforum in der Neuensteiner Stadthalle. Vormittags lief der offizielle Teil mit Reden, nachmittags tauschten Erzieherinnen, Lehrer und Eltern aus der gesamten Region in 19 Workshops ihre Erfahrungen aus.

Die Wirtschaft war von Beginn an stark in das Modellprojekt eingebunden, genauer: die Innovationsregion Kocher & Jagst. In dem Verein haben sich 24 Hohenloher Firmen und Institutionen zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, um aus diesem früh geförderten Fundus die Mitarbeiter von morgen zu rekrutieren. „Wir wollen auch noch in 20 Jahren sagen können, dass dieser Standort der beste aller möglichen ist“, sagte Thomas Philippiak, Vorsitzender der Innovationsregion. Seit zwölf Jahren setzt der Verein auf die Verbindung Kindergarten, Schulen und Wirtschaft. Jetzt hat er nach langer Vorarbeit ein eigenes Netzwerk gegründet, das im Land genauso einmalig ist wie das Kompetenzzentrum. Es heißt MINTec und schweißt viele Akteure zusammen, um Mathematik (M), Informatik (I), Naturwissenschaft (N) und Technik (T) in der frühkindlichen und schulischen Bildung fest zu verankern – Kindergärten und Schulen genauso wie die IHK, die Handwerkskammer oder das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm. Das Institut begleitet beide Projekte, die am Samstag vorgestellt wurden. Die Arbeit in 15 Modellkindergärten, wurde analysiert, Erzieherinnen, die sich in Öhringen berufsbegleitend qualifiziert hatten, setzten das Gelernte praktisch um. Das Ergebnis: Der Aufwand lohnt sich. ZNL-Leiter Professor Manfred Spitzer brachte es auf den Punkt: „Sie können nicht besser investieren als in Kindergärten. Sie haben hier was super Tolles geschaffen, von dem wir alle noch sehr stark profitieren werden.“ Kommentar „Beispielhaft“

 

Spitzers Vortrag: lebendig, witzig, überzeugend

Neuenstein Er schafft es, neunzig Minuten zu reden, ohne zu langweilen. Seine Gestik, seine Mimik, seine Rhetorik: Alles wirkt authentisch, überzeugend, natürlich. Professor Manfred Spitzer ist nicht nur ein erfolgreicher Bestsellerautor. Er ist auch ein fesselnder Redner. Allein wegen den hoch interessanten Ausführungen des bekannten Hirnforschers aus Ulm hatte sich der Besuch des 3. Hohenloher Bildungsforums gelohnt. Weil er die Zuhörer mit viel Witz und Esprit in ihrer Alltagswirklichkeit abholte. Weil er die jüngsten Ergebnisse seiner Disziplin so lebendig und verständlich vortrug, dass es ihm keiner übel genommen hätte, wenn er noch einmal neunzig Minuten gesprochen hätte.

„Babys sind wahre Lernwunder. Das wussten wir früher nicht.“ Zwei Voraussetzungen müssten aber erfüllt sein: Die direkte Ansprache der Erwachsenen und der „begreifbare“ Bezug zur realen Welt. Das Gehirn sei dazu da „gebraucht“ zu werden. Je öfter es in frühen Jahren aktiviert werde, desto trittfester seien die gelegten „Spuren“. Mehr Bildung im Kindergarten? Die Forschungsergebnisse sprechen eindeutig dafür. Mädchen und Technik? Auch das funktioniert. Genauso wie Jungs fürs Lesen begeistert werden können. Man müsse die Begabungen nur früh genug wecken und typische Geschlechter-Klischees endlich über Bord werfen.

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