< Praxis / Bericht

Wir machen jetzt auch eine Baustelle! Teil 2 (von Franz Reinalter)
Franz Reinalter
Team Hälden

Fortsetzung demnächst - hatten wir am Ende unseres ersten Berichtes versprochen. Und tatsächlich hat sich unser Spielhäuschen kontinuierlich weiterentwickelt. Heute wollen wir endlich, endlich davon berichten, was mittlerweile alles passiert ist.

Zunächst eine kleine Berichtigung zum Bericht 1: Der fachkundigen LesereIn wird aufgefallen sein, dass wir keine Tonsteine hergestellt haben, sondern Lehmbausteine, denn sie wurden ja nicht gebrannt.










Holzkonstruktion zimmern und aufrichten
Der nächste Schritt war nun ein ganz spannender: endlich sollte das Haus aufgestellt werden. Dazu brauchten wir natürlich Hilfe. Die bekamen wir von zwei Auszubildenden unserer Partnerfirma Bürkert. In Absprache mit uns hatten sie einen Plan für unser Spielhaus erstellt und auch das Material besorgt.

Nun sollte es also losgehen, das Haus zusammenzubauen. Die Kinder legten einen Teil des Holzes auf dem Boden unseres Bewegungsraumes aus, und probierten damit Muster aus. Die Lehrlinge gaben dann den Hinweis, in den Plan zu schauen, und forderten die Kinder auf, die Vierkanthölzer so zu legen, wie dies auf dem Plan abgebildet war – eine kognitive Herausforderung! Gemeinsam war dies schnell geschafft und wir konnte daran gehen, die Hölzer zusammenzuschrauben. Mit großem Eifer entdeckten die Kinder das Werkzeug das hier zum Einsatz kam. Viele wollten auch mal schrauben und stellten dabei fest, dass man dazu schon auch Kraft braucht. Zum Halten waren viele Hände gefordert. Die fertigen Wandteile wurden von manchen Kindern direkt bespielt – reinhüpfen, raushüpfen, reinhüpfen,…

Als das Holzgerüst fertig zusammengeschraubt war, zogen alle Kinder ihre Gummistiefel an, und trugen die Teile gemeinsam nach draußen. Das war schon toll – die Kinder tragen das Spielhaus! Draußen war es dann wichtig, dass die Auszubildenden den Plan lesen konnten und deshalb wussten wie die Teile anzuordnen waren. Mit einem großen Hammer wurden die Haltungen mitsamt dem Holz in den vorbereiteten Untergrund geklopft. Dann schraubten die Kinder mit Hilfe der Großen die Holzteile zusammen. An diesem Tag besuchten uns die beiden Meister der Auszubildenden der Firma Bürkert, um zu schauen, was denn da im Kindergarten so passiert, und ob alles gut klappt.





Wände Dach und Fußboden
AUnser Haus war zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich wackelig. Deshalb wurden rasch die Wände und das Dach zugebrettert. Bei den Wandbrettern konnten die Kinder viel helfen – Nägel reinhauen. Beim Dach dagegen mussten v.a. die Auszubildenden ran, denn das war zu hoch und zu schwer für die Kinder. An diesem Tag konnten wir zum ersten Mal in unser Häusle reingehen. Wir haben auch gleich ausprobiert, ob alle Platz darin haben. Anschließend verglichen wir nochmals den Plan mit dem entstandenen Häuschen. Wir waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden!

Beim Fußboden mussten wir uns ziemlich helfen lassen, da ein zusätzlicher Lehrling dazugekommen ist, der auch beteiligt werden sollte. Er sägte die Bretter zurecht und legte den Boden damit aus. Bemalt hatten wir diese schon im Vorfeld.













Das Richtfest
Auf dieses Ereignis hatten sich die Kinder schon ganz besonders gefreut. Wir hatten ihnen vom Sinn und Zweck eines Richtfestes erzählt und gemeinsam überlegt, wie wir dieses feiern könnten. Im Laufe der intensiven Planungen und Vorbereitungen stieg die Freude auf diesen besonderen Tag weiter und weiter: Schilder für den Muffin-Verkauf wurden geschrieben, Muffins gebacken, ein Lied geprobt, schwimmende Häuser gebastelt, und, und, und. Am Fest waren viele Eltern und die Lehrlinge da. Diese haben dann den Richtspruch gesprochen. Und weil der so schön ist, kommt dieser jetzt:

Richtspruch

Wir wollen gratulieren,
gerichtet ist das Haus.
Hat Fenster und hat Türen,
Und sieht gar stattlich aus.

Der Maurer hat‘s gemauert,
der Zimmerer überdacht,
doch dass es hält und dauert,
das steht in Gottes Macht.

Schützt auch das Dach vor Regen,
die Mauer vor dem Wind,
so ist doch allerwegen,
an Gott allein gelegen,
ob wir geborgen sind.

 

Den Kindern machte es viel Spaß den Erlös aus dem Muffin – Verkauf zu zählen, und die mit Teelichtern illuminierten schwimmenden Häuser, auf dem Teich im dunklen Stadtpark, waren für alle Teilnehmer ein unvergesslicher Eindruck.

 












>> zur kompletten Fotostecke (66 Bilder)

Wandelement aus Weidengeflecht
Dann kam der Winter, und die Bauarbeiten ruhten.
Im Frühjahr packten wir es wieder an. Die Idee war, eine Wand des Hauses mit Weiden zu flechten. Auch hier holten wir uns eine fachkundige Person in den Kindergarten, die uns zeigte, wie man mit Weiden arbeitet. Die Vorarbeiten hatten wir Erzieherinnen mit den Kindern gemacht (Weiden schneiden und putzen). Das Flechten übernahmen dann die Kinder. Auch hier konnten die Kinder Erfahrungen machen, die viele Arbeitsprozesse auszeichnet: es ist gar nicht so einfach § mit der Zeit wird es anstrengend § eine Weide macht keinen großen Unterschied aber wenn viele mithelfen, wächst die Wand Stück für Stück § gemeinsam geht’s besser.

Als wir das Weidengeflecht dann in die Wand des Spielhauses eingepasst hatten, waren wir alle sehr stolz. Auf dem letzten Weidenfoto ist auch gut zu sehen, welch schöne Lichteffekte durch das Geflecht entstehen.

 

Wandelement aus Lehmbausteinen
Und dann waren da noch unsere Lehmbausteine. Die sollten als nächstes zum Einsatz kommen. Unsere „Lehmbau-Fachfrau-Erzieherin“ nahm sich mit den interessierten Kindern ein weiteres Wandelement vor. Die selbst hergestellten Steine wurden ausgelegt und sortiert. Vom Maurer hatte sie sich einige Tipps geholt, denn unsere Wand sollte schließlich einigermaßen gerade und vor allem stabil sein.
Erfahrungen mit der Arbeit mit Lehmpampe hatten die Kinder bereits. Dieses sinnliche Erlebnis war für die Kinder erneut etwas sehr spezielles. Wie beim Weidengeflecht bauten die Kinder unter fachkundiger Begleitung Stück für Stück die Wand – allerdings nicht an einem Tag. Auch hier war Ausdauer gefragt. Auf dem Bild sieht das Ganze noch arg wacklig aus – aber die Wand hält!!!

 
Drucken Zum Seitenanfang