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Oma Inge will übers Wasser Kinder helfen! (von Franz Reinalter)

Franz Reinalter

Team Hälden
























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MINTec steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Was auf den ersten Blick an eine spektakuläre Rettungsaktion erinnert oder sich wie Kindertheater anhört, ist in Wirklichkeit eine Bildungsinitiative der Innovationsregion Kocher & Jagst e.V., die von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert wird. MINTec – so der Name des Projekts – ist ein Pilotprojekt, das seit dem 1. Juli 2007 existiert und auf andere Regionen Baden-Württembergs übertragen werden soll. Am Projekt beteiligt sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der Region, sondern auch Kindergartenkinder, die für die Themengebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik interessiert werden sollen. Studien haben ergeben, dass die Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik frühzeitig geweckt werden muss. Je eher Kinder eigene technische Kompetenzen erwerben, desto mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen können sie aufbauen. Die MINTecWerkstätten für Kindergärten werden derzeit von zwei Lehrkräften der Fachschule für Sozialpädagogik Öhringen in Zusammenarbeit mit der Projektleitung entwickelt. Sie betreuen auch die Durchführung der MINTecWerkstätten und geben den Erzieherinnen Hilfestellungen durch Reflexionsgespräche und Rückmeldungen.

Und was hat dies alles mit Oma Inge zu tun? Oma Inge ist eine Playmobil-Spielfigur, und damit sie ihre Enkelkinder besuchen kann, muss sie eine Wasserfläche überqueren – gar nicht so leicht mit Tragekorb und Krückstock. Und nun war es an den Kindern des Kindergartens 'Hälden', eine Lösung für Oma Inges Problem zu suchen. Allerdings hatte sie kompetente Unterstützer: Drei Auszubildende der Ingelfinger Firma Bürkert standen ihnen zur Seite bei der Suche nach Lösungen für Oma Inges Problem. Brücken schlugen die einen vor, die anderen wollten ein Floß bauen, und jede Gruppe wurde ermuntert, ihren Plan zu realisieren. Mit dem Know-how der drei Auszubildenden und der pädagogischen Unterstützung der Erzieherinnen um Martina Wilhelm und Ina Seber wurden Konstruktionen überlegt und verworfen, Pläne gezeichnet und korrigiert, und als es ans Bauen ging, machte man sich auf den Weg zum Bauhof, um geeignete Holzplatten, Rohre und Befestigungsmaterial zu holen; in der Kochertalkellerei bekamen die Kinder und ihre Begleiter Plastikbehältnisse, die insbesondere die Floßbauer benötigten. Das Wichtigste dabei: Die Kinder haben das Heft in der Hand; sie planen und erfinden. „In Wirklichkeit entdecken sie eigenständig ihre Welt und finden kreative Lösungen für ein Problem“, erläutert der Sozialpädagoge Franz Reinalter von der Richard-von-Weizsäcker-Schule, der als MINTec-Verantwortlicher das Projekt begleitet. Besonders erfreut zeigte er sich über die Kooperation zwischen den Erzieherinnen und den Azubis der Firma Bürkert, die sich ganz auf die Kinder einließen: Keiner wollte bestimmen; vielmehr ging es darum, der Kreativität der Kinder freien Lauf zu lassen und sie höchstens da zu unterstützen, wo es beim Brücken- oder Floßbau ein Problem gab. Aber bevor sich Oma Inge dem Floß anvertrauen konnte, wurde dieses im Ingelfinger Hallenbad getestet. Dabei hatten die Kinder ebensoviel Spaß wie beim Konstruieren. Und die Erwachsenen waren sich einig, dass sie von der Kreativität der Kinder viel lernen konnten. Und schließlich wurde Oma Inge auf einem seriös konstruierten Floß übers Wasser gebracht und bei den Kindern das Interesse für die Lösung technischer Probleme geweckt. Womöglich erinnert sich der eine oder die andere später an diese Erfahrung, wenn es darum geht, über den künftigen Beruf nachzudenken.

 
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