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Können Kindergarten- und Schulkinder gemeinsam experimentieren?  (von Andrea Ilzhöfer)
Andrea Ilzhöfer
Kooperationsprojekt des Kindergartens Rinderfeld mit einer Hauptschulklasse des Bildungszentrums Niederstetten von Andrea Ilzhöfer:

Im Frühjahr 2006 waren wir an einem Samstag in Öhringen. Das Thema war „Physik im Kindergarten“. Der Referent der Veranstaltung war Werner Sterzenbach aus Winnweiler. Organisiert war die Weiterbildung vom ZNL in Ulm. Herr Sterzenbach war mit einigen seiner Schüler da, und nach dem theoretischen Teil kamen Kindergartenkinder dazu. Für mich war es sehr beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die Jugendlichen auf der einen Seite, und mit welchem riesigen Interesse die Kindergartenkinder auf der anderen Seite, miteinander umgingen. Die Kommunikation war groß. Viele Kinder wollten selbst nach zwei Stunden noch nicht nach Hause. Zwei Stunden die voll gepackt waren mit physikalischem Grundwissen.

Nach dieser Veranstaltung war ich der Meinung, dass das sicher nicht nur mit Gymnasiasten geht. Ich war entschlossen auf die örtliche Schule, ein Bildungszentrum mit Haupt- und Realschule zuzugehen. Im Rahmen der obligatorischen Kooperation Kindergarten – Grundschule (im November 2006) habe ich meine Unterlagen mitgenommen und sie dem Rektor der Schule zur Einsicht gegeben. Recht schnell meldete sich ein Physiklehrer der Schule bei mir. Nach einem Vorgespräch, wie wir uns das vorstellen können, hat er es sehr bedauert, nicht selbst dieses Projekt durchführen zu können, da er zurzeit Abschlussklassen hat.

Anfang dieses Jahres meldete sich wieder eine Physiklehrerin bei mir. In einem Zeitrahmen von zwei Schulstunden wollen Schüler einer sechsten Klasse physikalische Experimente mit unseren Kindern, in Kleingruppen von 3 - 4 Kindern, durchführen. Es sollen vor allem solche Experimente sein, die wir im Kindergarten aufgrund der mangelnden Ausrüstung nicht durchführen können.
Bei der Vorbereitung der Veranstaltung hat uns das Buch „Physik in Kindergarten und Grundschule“ sehr geholfen. Dieses Buch kann man kostenlos bei info@think-ing.de anfordern.

Am 3. Mai war es endlich soweit. Mit 26 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren machten wir uns auf den Weg zur Schule. Ich hatte mir vorgenommen besonders auf die 3-jährigen Kinder zu achten. Ist dieses Angebot auch schon für sie geeignet oder sind sie damit überfordert?

Als wir in der Schule ankamen, wurden wir von der Lehrerin erwartet. Sie hat zusammen mit 15 Schülern der H6 insgesamt 17 Experimente vorbereitet. Eine grobe Vorauswahl traf die Lehrerin. Die Schüler haben sich dann davon 17 Experimente ausgesucht. Ein Schulkind hat sich jeweils zwei Kindergartenkindern angenommen, sie zu den verschiedenen Experimenten geführt und sie dort angeleitet. Aufgebaut war die Veranstaltung in zwei Klassenräumen und im Schulhof.

Welche Farben sind in Schwarz enthalten? Warum füllt sich ein Luftballon mit Luft obwohl man nichts sieht? Schlüpft ein Ei in die Flasche? Warum stehen meine Haare zu Berge? Kann ich durch meine Kraft (kurbeln) eine Glühbirne zum leuchten bringen? Kann ich den Behälter mit den schweren Steinen fortbewegen? Warum dreht sich der Drehstuhl langsamer, wenn ich zwei mit Wasser gefüllte Flaschen nach außen strecke? Warum tanzt der Tischtennisball auf dem Föhn? Wie kann ich die Zaubertinte wieder sichtbar machen? Das waren nur einige der Fragen, die sich die Kinder hierbei gestellt haben, und die auch alle beantwortet wurden.

Deutlich über eine Stunde waren wir in der Schule zu Gast und keinem Kind ist es langweilig geworden. Selbst die Dreijährigen waren mit Begeisterung bei der Sache. Auch der Bürgermeister und der Schulleiter konnten an diesem Tag noch staunen. Das Fazit dieses Tages war, dass dies unsere erste Veranstaltung zusammen mit der Schule war, aber sicher nicht die letzte. Auch den Schulkindern hat es großen Spaß gemacht, ihr Wissen weiterzugeben.

Einen Zeitungsbericht und weitere Fotos können auf der Homepage des Bildungszentrums Niederstetten eingesehen werden:
http://bzn.llns.de/?pageid=1
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