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Warum spuckt der Berg Feuer?   (von Verena Ehr)
Verena Ehr

Aus dem Forscherlabor des Gemeindekindergartens „Kindernest Nord-West“ in Pfedelbach von Verena Ehr:

Ich stellte den Kindern die Fragen: Welche Feuer kennt ihr? Wo gibt es Feuer? Antworten der Kinder: Papier brennt, Feuerzeug, Glut, Lagerfeuer, Laterne, Waldbrand, Holz brennt, Streichholz, Grillfeuer, Feuerwerk, Wunderkerzen.
Als ein Kind den Begriff „Vulkan“ äußerte, kam unter den anderen Kindern die Frage auf, was denn ein Vulkan überhaupt sei. Ich versuchte es, die Kinder selbst erklären zu lassen. Daraufhin entstand eine lange Gesprächsrunde, in der viele Fragen auftauchten: Was ist ein Vulkan? Wie sieht er aus? Wo gibt es welche? Wie funktioniert ein Vulkan? etc. Da das Interesse der Gruppe nicht mehr vom Thema „Vulkan“ abkommen wollte, versprach ich, mehr Informationen zum Thema mitzubringen und dieses näher zu behandeln. So entstand mein kleines Projekt zum Vulkan, das ich in zwei Teile untergliederte.

Am ersten Tag ging ich auf das Naturphänomen Vulkan ein. Zu Beginn machte ich eine Wiederholung zum Gespräch der vergangenen Woche. Danach folgte die Geschichte „Fünkchen und Lavani“ als Einstieg in ein faszinierendes und besonderes Thema der Erdgeschichte. Die Kinder erzählten kurz die Geschichte und erklärten mir meine Fragen.

Danach erzählte ich den Kindern, dass die wenigsten Menschen – mit eigenen Augen – Vulkane aus denen Feuerfunken fliegen und rotglühende Lava fließt, schon aus nächster Nähe erlebt haben. Wir können diese gewaltige und faszinierende Naturgewalt aus sicherer Entfernung durch Bilder aus Zeitschriften, Büchern und dem Fernsehen kennen lernen. Vulkane sind sehr gefährlich. Vor allem für die Menschen, die in ihrer Nähe leben.

Als nächstes zeigte ich den Kindern Bilder von Vulkanen. Wir betrachteten diese und suchten erneut gemeinsam nach Erklärungsversuchen. Natürlich hätte ich versuchen können, dieses Naturereignis rein wissenschaftlich zu erklären. Da diese Variante aber für Kinder unserer Altersgruppe schwer verständlich wäre, habe ich mich für eine stark vereinfachte Form entschieden. Um die Kinder nicht zu überfordern, versuchte ich, individuell auf deren Vorstellungen, Fragen und Wünsche zum Thema einzugehen. Als erstes fragte ich die Kinder, wie wohl ein Vulkan entsteht. Die Kinder versuchten, es mir zu erklären: „Vulkane sind in der Erde drin.“ „Da brennt es drin.“ „Da ist innen Feuer.“ „Das ist ganz rot.“ „Wenn es voll ist, fliegt es raus.“

Gemeinsam schauten wir ein Bild vom „Feuer im Erdinneren“ an und besprachen, was man darauf sehen konnte. Meine Erklärung: Die Erde besteht aus drei Schichten, der Erdkruste, dem Erdmantel und dem Erdkern.
Dann folgte meine stark vereinfachte, kindgerechte Form der Erklärung: „Ganz weit unten, tief im inneren der Erde ist es sehr, sehr heiß. Da gibt es keine Felsen oder Steine, keine Erde und kein Wasser. Dort ist es so heiß, dass die Steine zu einer flüssigen rotglühenden Masse geschmolzen sind. Und diese Masse heißt Magma. Auf der Erdoberfläche – da wo wir Menschen, die Pflanzen und Tiere leben – besteht die Erde aus einer Kruste (der Erdkruste), die aus einer ganz dicken und harten Felsschicht aus Steinen ist. Diese harte Felsschicht verhindert, dass das flüssige, heiße Magma einfach herausfließen kann. Das Magma ist so tief in der Erde, dass man so tief nicht einmal bohren könnte. So weit innen ist das.“ Dieser Punkt erschien mir sehr wichtig, um bei den Kindern keine unnötigen Ängste auszulösen. „Nur an manchen Stellen auf der Erde gibt es Öffnungen oder Risse, weil da die Felsenschicht so dünn ist, dass das Magma und die heiße Luft (Gase) aus dem tiefen Erdinneren ausströmen können. Das sind dann die Vulkane, die bis ganz tief runter in die Erde reichen – bis dahin, wo das Magma und die heiße Luft sind. Durch die Öffnungen der Vulkane – diese nennt man „Krater“ – kann dann das Magma mit den Gasen entweichen. Es schießt dann hoch und fließt als rotglühende Lava heraus. Magma heißt nur solange Magma wie es im Innern der Erde ist. Sobald es herauskommt, nennt man es Lava. Mit der Lava werden auch Vulkanasche, Gase und Wasserdampf ausgestoßen. Wisst Ihr überhaupt wie Gas aussieht?“ „Ja, das ist unsichtbar. Das kann man gar nicht sehen. Wie die Luft.“

Ich bestätigte den Kindern dies und ging noch einmal auf Experimente ein, die wir zum Thema Luft schon gemacht hatten. „Die Gase und Dämpfe ziehen dann als Rauch ab. Die Ascheteilchen gehen als Staub auf den Boden und die Lava erkaltet mit der Zeit und wird dann zu Stein.“ Mit Hilfe eines Plakates veranschaulichte ich es den Kindern.

Meine nächste Frage: „Was glaubt ihr, warum so ein Vulkan ausbricht und Feuer speit?“ Antwort der Kinder: „Wenn er voll ist, wenn kein Platz mehr drin ist, geht es raus.“ „Das ist fast richtig. Aber eine ganz wichtige Rolle spielt bei diesem Vorgang das Gas, das Kohlenstoffdioxid heißt. Bevor der Vulkan ausbricht, sammelt sich das Magma erstmal in so genannten Magmakammern an. Das Magma ist voll mit Gasen. Die Gase brauchen – wie Luft – auch Platz. Dann entsteht ein Druck, weil das Gas auf das Magma drückt. Es will sich ausdehnen, braucht Platz. Durch die Risse in der Erdkruste schiebt sich das Gas nach oben und drückt das Magma mit an die Oberfläche. Dabei vermischt sich das Gas mit dem Magma. Ist wenig Gas im Magma, sickert die Lava langsam und ruhig. Sind dagegen viele Gase im Magma, spritzt und schleudert die Lava mit gewaltiger Wucht heraus.

Das ist wie in einer Sprudelflasche. Stellt euch mal vor, wir schütteln die Flasche jetzt. Was passiert dann, wenn ich diese aufmachen würde?“ Antworten der Kinder: „Alles läuft raus.“ „Es sprudelt raus und läuft über.“ „Das gibt eine Sauerei auf dem Boden.“ „Genau das wird bei der Sprudelflasche passieren. Unser Mineralwasser enthält Kohlenstoffdioxid. Es ist ein farb- und geruchsloses, nicht brennbares Gas. Durch den (Gas-) Druck in der Flasche hört man beim normalen Öffnen ein leichtes „Zisch-Geräusch. Ein Teil dieses Drucks entweicht dabei. Wenn die Flasche vorher geschüttelt wurde, vergrößert sich der Druck und aus dem Zisch-Geräusch kann ein richtiges Sprudeln und Herausquellen der Flüssigkeit entstehen. So in etwa funktioniert das auch beim Vulkan.“

Nach dieser Ausführung versuchten die Kinder das Erklärte in ihre eigenen Worte zu fassen und konnten zum Abschluss jeweils einen Vulkan malen. Als Ausblick sagte ich den Kindern, dass man das Gas „Kohlenstoffdioxid“ ganz leicht selbst herstellen kann, und dass wir beim nächsten Mal einen „richtigen“ Vulkan zusammen nachbauen werden.

Fachliche Deutung

Für das Experiment war es wichtig, dass die Kinder vorab schon Erfahrungen mit den verschiedenen Aggregatzuständen „fest – flüssig – gasförmig“ machen konnten. Der chemische Vorgang ist hier die Bildung des Gases „Kohlenstoffdioxid“ durch die Mischung von Backpulver und Essig. Der gasförmige Zustand: Wenn die Kräfte zwischen den Bausteinen sehr gering sind, fehlt der enge Zusammenhalt und die Teilchen sind frei beweglich wie Nebeltröpfchen in der Luft. Dies ist der gasförmige Zustand. Gase haben keine Grenzflächen, wollen sich beliebig ausbreiten, lassen sich aber auch komprimieren, wobei der (Gas-) Druck steigt. Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid sind solche Gase.

Reflexion

Ich empfand es als sehr schwierig, eine fachliche kindgerechte Deutung zu finden, die die Kinder wirklich verstehen und nachvollziehen können. Beim Wiederholen habe ich gesehen, dass den Kindern – durch den Vergleich mit der Sprudelflasche – das Hintergrundwissen doch sehr verständlich nahe gebracht worden war. Das hat mich sehr gefreut, da ich zuvor große Zweifel hatte, ob das so funktionieren würde.

Die Kinder zeigten sehr großes Interesse am Thema Vulkan. Auch beim ersten Tag hatte ich durch den umfangreichen Theorieteil große Bedenken, dass ich die Kinder überfordere. Es stellte sich schnell als positiv heraus, dass ich am Bildmaterial erklärt und die Kinder mit einbezogen hatte. Ich denke, dies waren ausschlaggebende Punkte für die Aufmerksamkeit und Konzentration der Kinder.

Hätten die Kinder keine Vorkenntnisse aus den Experimenten zum Thema „Luft als Gas“ gehabt, wäre es nicht möglich gewesen diesen Versuch in nur 2 Teilen durchzuführen. Auch die Erklärung der Herstellung des Gases im Vorfeld war wichtig, damit die Kinder nachvollziehen konnten, was später in der Flasche bzw. im Vulkaninneren vor sich geht.

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